Nicht jede Wärmebehandlung findet an einer Rohrleitung statt. Im Rahmen einer Anlagenrevision in einem deutschen Stahlbetrieb hat HSOS einen mehrere Tonnen schweren Ritzellagerbock aufgeheizt, um eine Klebeverbindung mit dem Betonboden zu lösen – unter rauhen Bedingungen, in 3,5 Tagen Schichtbetrieb.
Ausgangssituation
Wärmebehandlung wird im Industrieumfeld meist mit dem Schweißnachwärmen von Rohrleitungen oder Druckbehältern assoziiert. Dieser Einsatz in einem Stahlwerk in Deutschland zeigt, wie vielseitig thermische Prozesse in der Instandhaltung eingesetzt werden können.
Ein schwerer Ritzellagerbock – integraler Bestandteil einer Produktionsanlage in der Stahlerzeugung – war fest mit dem Betonboden verklebt. Um das Bauteil im Zuge einer planmäßigen Anlagenrevision ausbauen zu können, musste die Klebeverbindung gezielt und kontrolliert durch Wärmeeintrag erweicht werden.
Herausforderung: Masse, Zugänglichkeit und Timing
Das Bauteil wog mehrere Tonnen und befand sich eingebaut in der Anlage – mit entsprechend eingeschränkter Zugänglichkeit für Heizgeräte, Thermoelemente und Kabelführung. Die Anforderung war eindeutig: Das Bauteil muss heiß genug sein, damit der Kleber nachgibt – und es muss in diesem Zustand aus der Anlage gehoben werden, bevor es abkühlt.
Das bedeutete enge Abstimmung zwischen Wärmebehandlungsteam und Kranführer sowie eine präzise Planung des Ablaufs.
Durchführung
- Dauer: 3,5 Tage in durchgehender Tag- und Nachtschicht
- Heizsystem: Elektrische Widerstandsheizung mit angepasster Applikation am Bauteilumfang
- Temperaturüberwachung: Mehrpunkt-Thermoelementsystem zur gleichmäßigen Wärmeverteilung und Dokumentation
- Kabelmanagement: Konsequentes Verlegen und Sichern aller Versorgungsleitungen unter schwierigen Platzbedingungen – sauberes Housekeeping als Sicherheitsvoraussetzung
- Koordination: Enge Schnittstelle mit dem Revisionsteam vor Ort für den heißen Ausbau
Nachdem die Zieltemperatur gleichmäßig im Bauteil erreicht war, wurde der Lagerbock unmittelbar und kontrolliert im heißen Zustand ausgehoben. Der Kleber hatte sich ausreichend erweicht, um die Verbindung zu lösen.
Fazit
Dieser Einsatz demonstriert, dass Wärmebehandlung weit über das klassische Schweißnachwärmen hinausgeht. Mit dem richtigen Equipment, sorgfältiger Planung und erfahrenem Personal lassen sich auch unkonventionelle thermische Aufgabenstellungen in der laufenden Revision zuverlässig lösen – auch unter rauhen Bedingungen, in beengten Verhältnissen und im Mehrschichtbetrieb.
