Rohrfrosten
Temporärer Eispfropfen durch Injektion von flüssigem Stickstoff oder CO₂ – Wartungsarbeiten ohne Anlagenabschaltung.
Was ist Rohrfrosten?
Rohrfrosten (Pipe Freezing) ist ein Verfahren, um eine Rohrleitung temporär abzusperren, ohne in das Rohr einzugreifen: Um den Rohrabschnitt wird eine Frostmanschette (Freeze Jacket) gelegt und mit flüssigem Stickstoff (−196 °C) oder CO₂ beschickt. Das stillstehende Medium im Rohr gefriert zu einem tragfähigen Eispfropfen, der die Leitung dicht absperrt — die Anlage dahinter kann weiterlaufen, die Leitung muss weder entleert noch gespült werden. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Pfropfen kontrolliert aufgetaut; es bleiben keinerlei Rückstände oder Veränderungen am Rohr zurück.
So läuft ein Frost-Einsatz ab
- ▸1. Prüfung vorab: Werkstoffeignung und Zustand der Leitung werden geprüft — auf Wunsch inklusive zerstörungsfreier Prüfung (NDT) der Froststelle vor Beginn.
- ▸2. Vorbereitung: Isolierung an der Froststelle entfernen, Begleitheizung abschalten; die Leitung muss vollständig gefüllt und entlüftet sein, das Medium steht still (Fülltemperatur idealerweise unter 10 °C bei Wasser).
- ▸3. Frosten: Frostmanschette montieren (ein- oder beidseitig der Arbeitsstelle), kontrollierte LN₂-Beschickung; die Pfropfenbildung wird über Temperaturfühler an der Rohroberfläche permanent überwacht, die LN₂-Versorgung ist redundant ausgelegt.
- ▸4. Arbeiten: Armaturentausch, Reparatur, neuer Anschluss oder Drucktest — der Pfropfen hält, solange gekühlt wird (bei Bedarf über mehrere Tage).
- ▸5. Auftauen: kontrolliert und dokumentiert; die Anlage geht ohne Spülen oder Neubefüllen wieder in Betrieb.
Technische Daten und Einsatzgrenzen
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Kältemittel | flüssiger Stickstoff (−196 °C); CO₂ (−78 °C) für kleine Nennweiten |
| Nennweiten | branchenüblich DN 15 bis ca. DN 400 im Standard, projektbezogen größer |
| Zulässiger Differenzdruck am Pfropfen | systemabhängig; Anbieterangaben 50 bis über 100 bar |
| Geeignete Medien | Wasser und wässrige Lösungen, Glykol-Gemische (konzentrationsabhängig), viele Öle |
| Voraussetzungen | Medium steht still, Leitung voll gefüllt/entlüftet, Medientemperatur ≤ ca. 50 °C, freier Rohrabschnitt ca. 3 × DN |
| Werkstoffe | austenitische CrNi-Stähle bis −196 °C zäh; un-/niedriglegierte Stähle verspröden → Werkstoffprüfung, kontrollierte Abkühlung, keine Schläge auf die gefrorene Leitung |
| Dauer Pfropfenaufbau | typisch 30 Minuten bis einige Stunden, abhängig von DN und Medium |
Sicherheit
Stickstoff verdrängt Sauerstoff — deshalb arbeiten wir mit Belüftungskonzept und O₂-Überwachung, in Innenräumen zwingend. Die Froststelle wird nie unbeaufsichtigt gelassen, heiße Arbeiten halten Abstand zum Pfropfen, und das Team trägt Kryo-Schutzausrüstung. Diese Punkte sind in unserer dokumentierten Gefährdungsbeurteilung (TRA Pipe Freezing Nitrogen) festgelegt; der Geltungsbereich unserer ISO-9001-, ISO-45001- und VCA-P-Zertifikate umfasst Rohrfrosten ausdrücklich.
Rohrfrosten oder Hot Tapping / Line Stop?
Rohrfrosten kommt ohne jeden Eingriff in die Rohrwand aus: kein Anbohren, keine Späne, keine zurückbleibenden Fittings — dafür braucht es ein frostfähiges, stillstehendes Medium und einen tieftemperaturgeeigneten Werkstoff. Muss eine strömende Leitung abgesperrt werden oder handelt es sich um Gase bzw. nicht frostbare Medien, ist Line Stop (Stoppeln) mit vorherigem Hot Tap das Mittel der Wahl — beides bietet HSOS ebenfalls an. Wir beraten neutral, welches Verfahren für Ihren Fall das sichere und wirtschaftliche ist.
Referenzprojekt
Für eine Großraffinerie in Rotterdam führte HSOS vier gleichzeitige Frostungen an zwei 8″-Leitungen durch — mit einer eigens entwickelten doppelten Frostmanschette („Customized Double Pipe Freeze Jacket“), inklusive Opferpfropfen und Hottaps für Manometer und Sicherheitsventil. Besetzung: ein Frost-Spezialist und drei Operatoren.

Häufige Fragen
Bei welchen Rohrdimensionen funktioniert Rohrfrosten?
Vom kleinen Instrumentenrohr bis zu großen Prozessleitungen — Standard-Einsätze bewegen sich etwa zwischen DN 15 und DN 400, größere Nennweiten lösen wir projektbezogen mit angepassten Frostkammern (Referenz: 8″-Doppelfrostung in einer Rotterdamer Raffinerie). Entscheidend sind Medium, Werkstoff und Platz an der Froststelle.
Welche Medien/Flüssigkeiten sind geeignet?
Am besten frostet Wasser, geeignet sind auch wässrige Lösungen, Glykol-Gemische (je nach Konzentration) und viele Öle. Voraussetzung ist immer: Das Medium steht still und die Leitung ist an der Froststelle vollständig gefüllt. Gase und strömende Medien lassen sich nicht frosten — hier kommt Line Stop zum Einsatz.
Wie unterscheidet sich Rohrfrosten von Hot Tapping?
Beim Hot Tapping wird die Leitung unter Druck angebohrt, um einen Abzweig zu setzen oder (mit Line Stop) abzusperren — ein bleibender Eingriff mit Fitting. Rohrfrosten sperrt die Leitung von außen ab: kein Anbohren, keine Späne, nach dem Auftauen ist die Leitung unverändert. Dafür ist es auf frostfähige, stehende Medien beschränkt.
