Verschraubungsarbeiten
Spezialisiert auf das Verschrauben von Flanschverbindungen mit hydraulischen Drehmomentschlüsseln oder Tensionern.
Was ist kontrolliertes Verschrauben / Bolt-Tensioning?
Kontrolliertes Verschrauben heißt: Jede Schraube einer Flanschverbindung erhält eine rechnerisch bestimmte, dokumentierte Vorspannkraft — statt „nach Gefühl“ angezogen zu werden. Das ist entscheidend, denn der Großteil aller Flanschleckagen geht auf Montagefehler zurück. HSOS setzt dafür zwei Verfahren ein: hydraulische Drehmomentschlüssel (Torque) und hydraulisches Vorspannen mit Spannzylindern (Bolt-Tensioning). Beim Tensioning wird der Bolzen axial gelängt und die Mutter lastfrei beigedreht — ohne Reibungsverluste und ohne Torsion im Bolzen. Ergebnis: eine Vorspannkraft-Streuung von typisch ±5–10 % statt ±25–30 % bei unkontrolliertem Drehmomentanzug.
Leistungsumfang
- ▸Hydraulisches Drehmoment-Verschrauben: Vierkant- und Kassettenschlüssel (Low-Profile), 700-bar-Pumpentechnik
- ▸Bolt-Tensioning: simultanes Spannen mehrerer Bolzen (50-%- oder 100-%-Belegung) für gleichmäßige Dichtungspressung
- ▸Bolzenspannungsberechnung nach ASME PCC-1 bzw. EN 1591-1
- ▸Ultraschall-Vorspannkraftmessung (Laufzeitmessung der Bolzenlängung)
- ▸Flanschmanagement: Joint-Nummerierung/Tag-System, Flanschreport je Verbindung, Kalibrierzertifikate, Leckage-Nachverfolgung beim Anfahren
- ▸Vermietung von Torque- und Tensioning-Equipment (siehe Seite „Vermietung“)
- ▸Schulung WFPr und WFPr TT nach VCA-SOG (siehe Seite „Schulung“)
Torque oder Tensioning — was ist wann richtig?
| Kriterium | Hydraulischer Drehmomentschlüssel | Bolt-Tensioning |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | Mutter wird mit definiertem Moment gedreht; Vorspannung entsteht über das Gewinde | Spannzylinder längt den Bolzen axial; Mutter wird lastfrei beigedreht |
| Streuung der Vorspannkraft | unkontrolliert über ±25 %; mit qualifiziertem Personal, definierter Schmierung und Anziehmuster ±15 % erreichbar | typisch ±10 %, unter guten Bedingungen bis ±5 % |
| Einflussgrößen | Reibung (bis ~90 % des Moments), Schmierstoff, Oberfläche | weitgehend reibungsunabhängig |
| Typischer Einsatz | Standardflansche, beengte Zugänglichkeit (Kassette) | kritische Hochdruck-/Wärmetauscherflansche, große Schraubendurchmesser, simultanes Spannen |
Normen & Qualifikation
- ▸DIN EN 1591-4: Alle HSOS-Monteure besitzen die Bolting-Grundqualifikation nach DIN EN 1591-4 (Qualifizierung von Montagepersonal für Schraubverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen, Gültigkeit 5 Jahre)
- ▸ASME PCC-1 (Ausgabe 2022): Anziehmuster in Stufen, Schmierung, Kontaktflächenprüfung — Grundlage unserer Montageprozedur
- ▸WFPr / WFPr TT (SSVV/VCA-SOG): in der niederländischen und belgischen Petrochemie geforderte Personenqualifikation, 10 Jahre gültig — HSOS-Mitarbeiter sind qualifiziert, Schulungen auch für Kundenpersonal
- ▸Betrieb zertifiziert nach ISO 9001:2015, ISO 45001:2018, VCA-P 2017/6.0
Typische Anwendungsfälle
- ▸Turnaround Raffinerie/Petrochemie: getagte Flansche werden nach Plan geöffnet, montiert und kontrolliert angezogen — jeder Joint mit Report. Je nach Stillstandsgröße typisch 15–35 Flansche im Bolt-Tensioning und 45 bis über 100 Verbindungen im Drehmomentverfahren.
- ▸Wärmetauscher: simultanes Tensioning der Rohrboden-Verschraubung für gleichmäßige Dichtungspressung.
- ▸Referenz Gaswäscher: kontrolliertes Verschrauben von drei Behälter-Flanschverbindungen — Bolzen 1¾″, 4.800 Nm.
- ▸Referenz HD-Vorwärmer: Drehmomentverschraubung mit M72-Bolzen, 10.200 Nm.
Warum HSOS?
Höchste Genauigkeit und Gleichmäßigkeit für kritische, hochdruckbeaufschlagte Verbindungen — mit Berechnung, kalibriertem Equipment und lückenloser Dokumentation je Verbindung. Kombinierbar mit Dichtflächenbearbeitung (wenn der Flansch erst instandgesetzt werden muss) und als Komplettpaket im Turnaround.

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bolt-Tensioning und Drehmomentanzug?
Beim drehmomentgesteuerten Anziehen von Bolzenverbindungen wird die Mutter gedreht — ein Großteil der eingebrachten Energie geht jedoch in Reibung verloren, die Vorspannkraft streut unkontrolliert um ca. ±25–30 %. Beim Bolt-Tensioning wird die Vorspannkraft durch hydraulische, axiale Längung des Bolzens erzeugt, die Mutter wird lastfrei beigedreht: Es entstehen keine Reibungsverluste, die vorgegebene Spannkraft wird mit einer Streuung von nur ca. ±5–10 % in die Bolzenverbindung eingebracht. Anwendungsbereich: kritische Hochdruckverschraubungen.
Bieten Sie Schulungen zum Flanschmanagement (WFPr) an?
Ja — Schulungskurse gemäß den VCA-SOG-Richtlinien: Flanschmonteur nach WFPr sowie Arbeiten mit Drehmoment- und Vorspannwerkzeugen (WFPr TT) — die in der niederländischen und belgischen Petrochemie vorgeschriebene Qualifikation.
Kann man Bolting-Equipment mieten statt kaufen?
Ja — hydraulische Drehmomentschlüssel, Drehmomentwerkzeug, Pumpen und Spannzylinder (Tensioner) sind in unserem Mietportfolio auf Anfrage verfügbar. Auf Wunsch inklusive Einweisung oder mit HSOS-Operator.
