Übersicht für Flottenmanager, technische Inspektoren und Werftleiter: Welche Bearbeitungskapazitäten sind direkt an Bord oder im Dock möglich, wie werden die strengen Vorgaben der Klassifikationsgesellschaften erfüllt und wie lassen sich Liegezeiten (Docking-Zeiten) durch mobile Zerspanung auf ein Minimum reduzieren?
Alles aus einer Hand bei HSOS. Wir setzen anspruchsvolle mechanische Bearbeitungen direkt auf dem Schiff oder in der Werft um – vom Planfräsen großer Fundamente bis zum Spindeln von Wellenanlagen, ohne dass gigantische Bauteile an Land demontiert werden müssen. Das Vorgehen und die geforderten Toleranzen stimmen wir exakt mit Ihren Werftvorgaben und den Inspektoren ab.
1 · Spektrum der maritimen Bearbeitung und Kapazitäten
Wir passen unsere mobile Maschinentechnik flexibel an die massiven und oft unzugänglichen Bauteile in der Schifffahrt an. Unser Leistungsspektrum umfasst:
- ▸Fundamente und Rahmen (Flächenfräsen): Hochpräzises Planfräsen von Motorenfundamenten, Kranfundamenten, Windenaufnahmen und Getriebesockeln, um eine absolut plane Auflagefläche für Resine (Gießharz) oder Stahl-Passstücke (Chocks) zu gewährleisten.
- ▸Wellenanlagen und Ruder (Mobiles Spindeln): Ausspindeln von Stevenrohren, Ruderkokern und Querstrahlruder-Gehäusen (Thruster) auf exaktes Maß, auch bei asymmetrischem Verschleiß.
- ▸Motorblöcke (Line Boring): Nachsetzen und fluchtendes Ausspindeln von Kurbelwellenlagergassen direkt im Schiffsmotor.
- ▸Rohrleitungen und Spezialflansche (Flanschbearbeitung): Bearbeitung beschädigter Dichtflächen an Ladeleitungen (Tanker), Seekühlwasserventilen und Lukendeckeln direkt vor Ort.
2 · Zertifizierte Qualität nach maritimen Standards
Auf See gibt es keine Kompromisse bei der Zuverlässigkeit. Wir zerspanen exakt nach den Toleranz- und Oberflächenvorgaben der maritimen Industrie und bereiten die Bauteile für die Abnahme durch die führenden Klassifikationsgesellschaften vor:
- ▸DNV, Lloyd’s Register (LR), Bureau Veritas (BV), ABS: Einhaltung der geforderten Maßtoleranzen und Oberflächengüten (Ra/Rz) für sicherheitsrelevante Schiffsbauteile.
- ▸Flucht und Ebenheit: Herstellung von hochpräzisen Winkeln und geometrischen Fluchten, die für den vibrationsfreien Lauf schwerer Schiffsdiesel und Wellenanlagen unerlässlich sind.
3 · Zerspanung unter Praxisbedingungen im Schiffbau
Mobile Bearbeitung auf Schiffen findet selten unter Laborbedingungen statt. Ob bei vibrierendem Rumpf im Wasser, im engen, heißen Maschinenraum, unter Deck in Zwangslagen oder draußen im Trockendock bei rauer Witterung – unsere Maschinensysteme und Zerspanungswerkzeuge werden speziell auf die rauen Bedingungen der maritimen Praxis abgestimmt.
4 · Qualität und Sicherheit: Laservermessung und Messprotokolle
Kritischer Faktor: Fluchten und Passmaße. Bei rotierendem Equipment wie Antriebswellen oder großen Schiffsdieseln entscheiden oft Hundertstelmillimeter über Vibrationen, Lagerverschleiß und die Lebensdauer. Eine mobile Zerspanung erfordert daher nicht nur kräftige Maschinen, sondern auch eine hochpräzise Ausrichtung. Vor Beginn der Bearbeitung – beispielsweise beim Ausspindeln eines Stevenrohrs oder dem Fräsen eines Getriebefundaments – ermitteln wir den Ist-Zustand.
Lückenlose Qualitätssicherung für Inspektoren: Für Flottenmanager und Werftleiter ist die lückenlose Dokumentation gegenüber der Klassifikationsgesellschaft (Class) entscheidend. Jeder Bearbeitungsschritt wird von uns messtechnisch begleitet, oft unterstützt durch modernste Lasermesstechnik. Das abschließende Messprotokoll dokumentiert transparent die Einhaltung der geforderten Rautiefen, Ebenheiten und Lagertoleranzen. Diese fundierte Datengrundlage sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei der Class-Abnahme und der Wiederinbetriebnahme.
5 · Optimale Vorbereitung: Was Sie für einen flüssigen Ablauf tun können
Die Liegezeiten in Werften sind straff kalkuliert. Für maximale Effizienz können Sie als Auftraggeber die Arbeitsbereiche an Bord vorbereiten. Grundsätzlich gilt: Alles ist machbar, die genaue Vorgehensweise stimmen wir vor dem Docking oder dem Werftaufenthalt gemeinsam ab.
- Demontage: Störkanten wie angrenzende Rohrleitungen, Abdeckungen oder alte Chocks sollten im Vorfeld entfernt sein, um Platz für die Aufspannung unserer mobilen Fräs- oder Bohrwerke zu schaffen.
- Reinigung: Eine grobe Säuberung der Bauteile von Öl, Fett, Rost und Seepocken beschleunigt das Einmessen und Ausrichten enorm.
- Zugänglichkeit & Logistik: Das Einbringen der Maschinen in den Maschinenraum erfordert oft das Nutzen von Kettenzügen oder Werftkränen. Freie Transportwege und definierte Anschlagpunkte am Bauteil (oder darüber) sind ideal.
- Gerüstbau: Bei Arbeiten außen am Rumpf (z. B. Thruster oder Ruder) oder weit oben an Deckskränen ist ein stabiles und für die Maschinenlast zugelassenes Arbeitsgerüst erforderlich.
- Energieversorgung: Die Bereitstellung von Energie in direkter Bauteilnähe beschleunigt den Arbeitsbeginn. Für pneumatische Antriebe wird Druckluft (meistens 8 Bar und ca. 2.000 bis 3.000 Liter, je nach eingesetzter Maschine) benötigt.
- Beleuchtung & Belüftung: Besonders in geschlossenen Tanks oder tief im Maschinenraum sorgen ausreichende Beleuchtung und Belüftung (Ex-Schutz beachten) für einen sicheren und schnellen Arbeitsablauf. HSOS bringt bei Bedarf autarkes Equipment mit.
- Erlaubnisscheine (Permits): In Werften und auf Schiffen gelten strenge Sicherheitsvorgaben. Die rechtzeitige Ausstellung von Arbeitsfreigaben (Hot Work Permit, Confined Space Entry, LOTO) sorgt für einen direkten Start.
FAQ
Muss das Schiff für die Zerspanung zwingend ins Trockendock?
Nicht immer. Viele Arbeiten (z. B. das Planfräsen von Windenfundamenten an Deck oder Arbeiten im Maschinenraum) können „afloat“ (im Wasser liegend) oder während der Hafenliegezeit beim Laden/Löschen durchgeführt werden. Arbeiten unterhalb der Wasserlinie, wie an Stevenrohren oder Ruderkokern, erfordern in der Regel ein Trockendock.
Können große Motorenfundamente direkt im Maschinenraum gefräst werden?
Ja. Das ist einer unserer Schwerpunkte. Anstatt den Motorblock oder ganze Rahmenkonstruktionen aus dem Schiff zu schneiden, bringen wir modular aufgebaute, mobile Linearfräsmaschinen direkt in den Maschinenraum. So stellen wir die geforderte Ebenheit für das spätere Vergießen (Chocking) direkt vor Ort her.
Was passiert, wenn an Bord keine ausreichende Energieversorgung verfügbar ist?
Das ist bei Havarien oder Schiffen im „Cold Lay-up“ keine Seltenheit. Unsere Maschinen können je nach Ausführung elektrisch, hydraulisch oder pneumatisch angetrieben werden. Dabei gilt: Wir bringen immer unsere eigenen Hydraulikaggregate mit. Die benötigte Druckluft (Kompressor) kann entweder von Ihnen gestellt oder nach Absprache von uns mitgebracht werden. Strom muss im Regelfall werft- oder bordseitig bereitgestellt werden – sollte dies jedoch nicht möglich sein, helfen wir nach vorheriger Absprache natürlich auch hier mit einem mobilen Stromaggregat weiter.
Werden die Arbeiten von den Klassifikationsgesellschaften (DNV, LR, etc.) anerkannt?
Ja. Wir fertigen exakt nach den von der Werft oder dem Reeder vorgegebenen Zeichnungstoleranzen. Durch unsere präzisen Messprotokolle (oftmals durch Laser-Tracker gestützt) liefern wir den Inspektoren der Klassifikationsgesellschaften genau die belastbaren Daten, die für eine Zertifizierung und Freigabe des Bauteils zwingend erforderlich sind.
Wie viel Zeit beansprucht die Bearbeitung während einer Docking-Periode?
Die Bearbeitungszeit hängt von der Bauteilgröße und dem geforderten Materialabtrag ab. Da jedoch der massive Zeitaufwand für Ausbau, Transport an Land und Wiedereinbau komplett entfällt, verkürzen sich die Liegezeiten (und damit die Dockkosten) bei einer mobilen Vor-Ort-Bearbeitung drastisch. Oft arbeiten wir im Mehrschichtbetrieb, um uns optimal in den Zeitplan der Werft einzufügen.
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